Donnerstag, 17. Januar 2019

Thomas Bernhard: HOLZFÄLLEN Versuch einer Entmündigung

in memoriam Thomas Bernhard - Entmündigung von Künstlern - Entmündigungspraxis in Österreich 80-er Jahre 

HOLZFÄLLEN Eine Erregung - zur Situation der österreichischen Justiz-Kunst Mitte der 80-er Jahre



Inhalt:
Das Ehepaar Auersberger veranstaltet ein „künstlerisches Abendessen“ und lädt dazu Freunde, Bekannte und einen Burgschauspieler ein. Die Gesellschaft unterhält sich gut, alleine der Ich-Erzähler langweilt sich. Der Burgschauspieler lässt auf sich warten, und die Gesellschaft wird zunehmend betrunkener. Der Erzähler reflektiert auf dem Ohrensessel seine ihm immer nichtiger erscheinenden Beweggründe, überhaupt der Einladung des Ehepaars Auersberger gefolgt zu sein, und merkt, dass er für die Personen dieser Gesellschaft, von denen er die meisten über Jahre hinweg nicht mehr gesehen hat, nichts als Abscheu empfindet. Die Langeweile wandelt sich mit zunehmender Stunde zu immer exzessiverer innerer Erregung, die schließlich zum abrupten Aufbruch führt.
Die Veröffentlichung von Holzfällen löste einen Skandal aus, der die Verkaufszahlen des Buchs in die Höhe trieb, nicht zuletzt deshalb, weil sich ein Bekannter und früherer Freund Bernhards, der österreichische Komponist Gerhard Lampersberg, in der Figur des Herrn Auersberger zu erkennen glaubte und Ehrenbeleidigungsklage einreichte. Das Urteil des darauf folgenden Prozesses verfügte die Beschlagnahmung der gedruckten Exemplare. Überraschenderweise zog Lampersberg jedoch kurze Zeit später die Klage zurück. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung soll eine außergerichtliche Einigung erzielt worden sein. Im Zeit-Magazin äußerte sich Lampersberg zuvor folgendermaßen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Holzf%C3%A4llen

„Er ist ein total einsamer Mensch, fast wie ein ausgestoßener Mensch. Seine Reaktion, alles, was er schreibt, ist die eines Ausgestoßenen. Ich bin das Gegenteil. Ich bin mittendrin. […] Ich find’ das wahnsinnig komisch, in Wirklichkeit muss ich eh nur lachen.“



Holzfällen ist damit neben Heldenplatz eines der skandalträchtigsten Werke des österreichischen Autors.
Der Autor Thomas Bernhard hat gesehen, wie seine Bücher unter POLIZEIGEWALT (siehe dazu Fall Lucona von Hans Pretterebner) aus den Buchhandlungen entfernt worden sind, und ist VÖLLIG WEHRLOS.

Der Autor wartet auf eine Stellungnahme des GERICHTS. Eine solche Stellungnahme kommt nicht. Erst sechs Wochen (in Worten SECHS Wochen) nach der Beschlagnahme bekommt der Autor eine Vorladung vor Gericht, daß am 9. November 1984 eine Verhandlung gegen ihn anberaumt ist.
Der Autor war dem Gericht 6 Wochen lang nicht die geringste Mitteilung wert.
DER AUTOR ist von der österr. Justiz ZUM UNMÜNDIGEN GEMACHT WORDEN....(na da schau her...)
Das GERICHT, das die Beschlagnahme vorgenommen hat und damit dem AUTOR NICHT WIEDER GUT ZU MACHENDEN SCHADEN zugefügt hat, hat in gröbster Weise gegen die Rechte des Autors verstoßen. In keinem anderen Land Europas, die Ostdikaturen ausgenommen (da schau her...), wäre, das weiß ich, eine solche Vorgangsweise möglich.
Vielleicht ist es in ZUKUNFT die Aufgabe der Literaturkritiker (innen) in diesem Land, ähnlich Dargestellte (es gibt wohl einen Zusammenhang zwischen dem Suizid der Choreographin Elfriede Slukal (1922–1976) und dem heuchlerischen Getue des Musiker-Ehepaares Lampersberg....)
auf ihre dargestellte Ähnlichkeit aufmerksam zu machen und die Urheber dieser Darstellungen vor GERICHT zu bringen. Und vielleicht ist es in ZUKUNFT auch die Aufgabe der JUSTIZ, geschriebene Kunstwerke zu beurteilen und von Fall zu Fall leichtfertig, ja BLIND auf (zu entmündigende) Autoren einzuschlagen mit einer radikalen BESCHLAGNAHME, wie sie es beim HOLZFÄLLEN üblich ist (Bäume werden geschlagen um Bücher zu produzieren, die dann wieder beschlagnahmt werden...) Thomas Bernhard, FAZ, 15.11.1984


Kommentar (nicht trampelhaft gemeint) 

Und die Moral von der Geschichte: in den 1980-Jahren hat die versuchte Entmündigung eines Autors die Verkaufszahlen in die Höhe getrieben (vgl. dazu Hans Pretterebner: Fall Lucona) - Heute ist die Sachlage und juristische Lage etwas anders, weil einerseits die Menschen ungebildeter sind und andererseits moderne Kommunikationstechnologien zur totalen Verblödung, Verblendung und immer neuen Egoismen anregen.....(die anderen sind scheißegal...) auch die Vertuschungsmechanismen sind gleich geblieben - nur kann man heute einfach per Mausklick eine Website offline stellen...(viel einfacher als 1000e Polizisten in Buchhandlungen schicken)

Holzfällen

eine schonungslose Analyse der verlogenen Gesellschaft und Möchte-Gern-High-Society - ein Thomas-Bernhard vom Feinsten: Einladungen als Erpressungen 

Kritik 

Er hatte sich geschworen, diese Leute nie wieder zu sehen. Und doch: Er läuft ihnen direkt über den Weg. Und doch: Er schafft es nicht, die Einladung zum künstlerischen Abendessen abzulehnen. Und so sitzt der Erzähler des Abends im Ohrensessel der Musikerfamilie Auersberger und steigert sich in eine Schimpftirade, in der er mit Unerbittlichkeit und Schonungslosigkeit gegen Mittelmaß und Dilettantismus wettert.Holzfällen wurde zum Skandalroman der 80er Jahre. Durch einstweilige Verfügung in Österreich verboten, avancierte der Roman zum Bestseller. In Thomas Holtzmanns Lesung stellt er sich als das dar, was er ist: ein literarisches Meisterwerk. (Laufzeit: 7h 50)



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