Neuer Anlauf für 101 Jahre alte Probleme
| Psychiatrische Klinik Innsbruck - Österreich |
„Kokainismus“ und andere Krankheiten
Ebenso bemerkenswert für damalige Verhältnisse war die Einsicht, dass Suchtkranke eben das sind: krank. Der Kommentar sprach von „einer eigenartigen Erscheinungsform der psychopathischen Minderwertigkeit“, den „sogenannten ‚Süchtigen‘, das sind eben jene Personen, welche mit irgend welchen Nervengiften gewohnheitsmäßigen Missbrauch treiben“. „Morphinismus und Kokainismus“ hätten „wohl irgend einen äußeren Anreiz zur Ursache“, so die damals bemerkenswert fortschrittliche Ansicht.
Nicht umsonst blieb die kaiserliche Entmündigungsordnung bis 1984 in Kraft - unterbrochen durch die Jahre 1938 bis 1945, als aus zu unterstützenden Menschen „Volksschädlinge“ oder anderes „unwertes Leben“ wurde. Dass die kaiserliche Entmündigungsordnung schließlich durch die weit differenziertere Sachwalterschaft ersetzt wurde, war eines der letzten großen Gesetzesprojekte von Reform-Justizminister Christian Broda (SPÖ).
Langsam, aber zumindest in die richtige Richtung
Die „Entmündigung“ 1916, die „Besachwalterung“ 1984 und nun der „Erwachsenenschutz“ wollten und wollen dasselbe: so wenig Einschränkung für Schutzbedürftige wie möglich und so viel Schutz wie nötig, sowohl für die Betroffenen als auch für deren Umgebung. Nicht umsonst werden seit Generationen erstsemestrige Jusstudenten mit der Frage gequält, wer eine kunstvolle Torte bezahlen muss, wenn der Konditor den Auftrag dafür von einem mittellosen Besachwalterten bekommen hat.
Bei aller Langsamkeit bewegt sich die österreichische Rechtslandschaft aber stetig in die richtige Richtung: 1984 erkannte man, dass Drogensüchtige, Alkoholkranke, aber etwa auch „Verschwender“ keine Fälle für Entmündigung, sondern für Behandlung sind. Schon davor war mit der Gründung des Vereins für Sachwalterschaft (heute: VertretungsNetz) ein entscheidender Schritt getan worden, um die nötige Balance bei der Einschränkung von Schutzbedürftigen zu ihrem eigenen Besten zu finden.
Wenn Abgeordnete über sich hinauswachsen
Damals wie heute war die Regelung ein Prüfstein für das soziale Gewissen der Gesellschaft. Angesichts des nun aufkeimenden Streits über die budgetäre Bedeckung des geplanten „Erwachsenenschutzrechts“ könnte man sich am Jahr 1916 orientieren: Damals war das Gesetz am Kippen, das Parlament besann sich aber seiner Rolle als Gesetzgeber und erließ eine Regelung, die weit über das Geplante hinausging - was schon damals zum Erstaunen führte, zu welch „hervorragendstem Anteil an Gesetzeswerken“ Abgeordnete bisweilen imstande seien.
Lukas Zimmer, ORF.at
http://www.digital.wienbibliothek.at/wk/periodical/pageview/570836
https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/290/Seite.2900100.html
Exkurs Ron Hubbard und die Psychiatrie:
https://de.wikipedia.org/wiki/L._Ron_Hubbard
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges versuchte Hubbard erneut, bei den US-Streitkräften angenommen zu werden. 1941 wurde er schließlich von der US Navy als Leutnant angenommen und der Public-Relations-Abteilung zugeordnet. Im Dezember 1941 verließ er die amerikanische Marine wieder. Nach eigenen Angaben wurde er an der Front „in Stücke geschossen“, nach Angaben eines Biografen erhielt Hubbard wegen eines Magengeschwürs und Arthritis eine Rente. Seine Akte enthält nach Recherchen eines Journalisten die Anmerkung „Verdacht auf Geistesgestörtheit“.[6]
Ende Zitat
http://www.ilsehruby.at/InterviewIlseHruby2008.html
Wurde das Thema "Psychiatrie" jemals von Scientologen gegenüber Ihnen angeschnitten?
Ja mehrfach! Meistens wenn ich meinen Ehemann in die Wiener Org (Scientologys Niederlassung) begleitet habe. Es gab in der Nähe vom Eingang ein Bücherregal mit Hochglanzbroschüren wo schrecklich und grauenhafte gestaltete Abbildungen über gequälte und angekettete Menschen, angeblich seien es psychiatrische Behandlungsmethoden, auf den Covers abgebildet waren. Während ich auf meinen Mann wartete, wurde ich durch "zufällig vorbeikommende" Mitarbeiter der Org immer wieder dazu angehalten mir doch diese Magazine durchzulesen und mir "ein eigenes Bild" davon zu machen. Während meiner Krankenschwesternausbildung, in der auch ein Praktikum auf der Psychiatrie includiert war, habe ich solche horrormässigen Behandlungsmethoden, wie sie auf den scientologischen Propagandamagazinen abgebildet waren, nie gesehen.
Wenn ja, was wurde Ihnen gesagt?
Ich musste mir immer wieder anhören, dass Psychiater und auch Psychologen Schwerverbrecher, Kriminelle usw. seien, die Menschen seelisch zerstörten und sogar töteten. Interessanterweise konnte mir mein Mann nie den Unterschied zwischen Psychiater und Psychologen erklären, wenn ich ihn danach fragte.
Welche Alternativen bietet Scientology an?
Scientology bietet die Methoden der Dianetik und das Dianetik-Auditing an. Dianetik ist ein Teil von Scientology und soll offenbar als eine Art alternativmedizinischer Praxis verstanden werden, und die gesamte Psychiatrie würde durch Scientology und Dianetik angeblich überflüssig werden. "Dianetik richtet sich an den Körper. Dianetik wird verwendet, um Krankheiten, unerwünschte Empfindungen, Missemotionen, Somatiken, Schmerzen, ... zu beseitigen und auszulöschen." (NED-Pack; HCOB 22.4.69)
Gibt es innerhalb Scientology so etwas wie psychologische Betreuung/Gespräche mit Psychologen?
Psychologen gibt es innerhalb von Scientology nicht – denn Psychologen zählen ebenfalls zu den Feinden. In Scientology gibt es Auditoren, sie werden auch als "Geistliche" bezeichnet. Gelegentlich tragen sie auch "Priesterkragen", "Amtskreuz" und Kette. Das Kernverfahren zur psychischen Betreuung von Scientology nennt sich Auditing. Bereits im "Buch 1" (dem Dianetikbuch) nennt L. Ron Hubbard seine Methode "Auditing" (von lat. zuhören). Es ist eine von ihm entwickelte Fragetechnik, eine Mischung aus Verhör und Beichte, die zur "geistigen Befreiung" und zur "geistigen Gesundheit"führen soll. "Scientology ist ein Zweig der Psychologie, die sich mit menschlichen Fähigkeiten befasst Scientology ist eine neue basale Psychologie im exaktesten Sinn des Wortes. Scientology wird durch einen Auditor ausgeübt, der die Leute veranlasst, verschiedene Übungen zu machen, welche Intelligenz und Verhalten verbessern." (Technical Bulletins Bd. II s.405 = PAB vom 1.5.56)
Wie begründet Scientology Krankheiten wie manische Depression, Schizophrenie, etc?
Scientology sieht viele Dinge komplett anders als der Rest der Welt. Für Scientology gibt es psychiatrische Krankheiten gar nicht. Die Symptome psychiatrischer und auch neurologischer Erkrankungen sind für Scientologen nur ein Zeichen von Schwäche, an der die Opfer, laut L. Ron Hubbard, selbst Schuld sind. Auf der anderen Seite meint Hubbard mit seiner Dianetik und Scientology die Geisteskrankheiten geknackt zu haben. "Was? Heisst das, dass wir die Geisteskrankheit selbst geknackt haben?..... Dies ist die Vielzahl an Arten von Geisteskrankheiten der Psychiatrie des 19. Jahrhunderts, alle in einer: Schizophrenie, Paranoia – die ganze Latte phantastischer Namen. Nur einen anderen Typ gibt es noch – die Person, die der unterdrückerischen Person in die Hände geraten ist. Dies ist der "manisch-depressive Typ"..." (HCOPL 5.4.65)
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