Sonntag, 19. Januar 2014

Selbstfürsorgedefizit: Wege aus der Krise

Das sogenannte Selbstfürsorgedefizit wird von Gerichten und den von ihnen beauftragten psychiatrischen GutachterInnen als Hauptgrund für eine Entmündigung (Besachwalterung) bezeichnet.

Aus einem Beschluss des Landesgerichtes für Zivilrechtssachen Wien (Rekursbeantwortung betreff Sachwalterbestellung für eine ehemalige SAP-Beraterin aus dem Finanzministerium vom 18.9.2009):

"Durch die Zerfahrenheit ihrer Gedanken im Zuge der schizo-affektiven Störung, die Getriebenheit und das Querulieren (Aufdecken von Verschwörungen), die Wahnideen (sie bildet sich ein für ein Projekt der Bundeshaushaltsverrechnung der Republik Österreich gearbeitet zu haben) und emotionale(n) Beeinträchtigungen hat sie den Überblick über ihre Alltagsgeschäfte verloren und teilweise Zahlungsverpflichtungen nicht wahrgenommen. Sie ist derzeit nicht fähig ihr Einkommen und Vermögen zu verwalten und ohne Hilfe einen Weg aus ihrer finanziellen Misere zu finden. Eine fachärztliche Therapie würde zu einer Verbesserung des Zustandes der Betroffenen führen und ist daher dringend zu empfehlen, sie erfolgt derzeit aber nicht." Ende Zitat Beschluss LG Zivilrechtssachen Wien, 18.9.2009 

Am Beginn des 21. Jahrhunderts blicken wir auf eine Fülle von Methoden der Seelenheilkunde ("Psychotherapien")  zurück, die teilweise in Wien im 20. Jahrhundert erfunden wurden.

Es ist daher nicht einzusehen, warum ausgerechnet nur Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen im Zuge von Massen-Sachwalterschaften vermögende Menschen, die unter Selbstfürsorge-Defizit und Wahnvorstellungen leiden, helfen können.

Aus einem Beschluss des Bezirksgerichts Wien-Favoriten:

"Die komplexe(n) Angelegenheiten wie die Angelegenheiten bei Behörden, Gerichten, Sozialversicherungsträgern, privaten Vertragspartnern, bei Rechtsgeschäften, die über Geschäfte des täglichen Lebens hinausgehen, sowie die Handhabung der Finanzen und Verwaltung des Vermögens, können von der Betroffenen nicht wahrgenommen werden. Der Realitätsbezug ist weiterhin als psychotisch verändert und die Kritikfähigkeit als herabgesetzt zu beurteilen. Eine KRANKHEITSEINSICHT ist sehr eingeschränkt gegeben. 
Die Betroffene neigt zur Dissimulation und Bagatellisierung der zur Aufnahme führenden Krankheitsgründe. Es besteht ein SELBSTFÜRSORGE-DEFIZIT, die Betroffene bedarf der Unterstützung durch andere Personen. Eine Besserung des Zustandsbildes ist unter Beibehaltung der psychiatrisch-psychopharmakologischen Behandlung zu erwarten, zeitlich jedoch nicht zu prognostizieren." Ende Zitat Beschluss BG Favoriten, Dezember 2011

Kommentar: Wenn Menschen durch psychische Erkrankungen in der Tat den Überblick über ihre Alltagsgeschäfte verloren haben, aus welchen Gründen auch immer, sollte man ihnen Geld für Psychotherapie zur Verfügung stellen und nicht durch SachwalterInnen enteignen und entrechten.

Im Anhang finden Sie eine Auswahl der in Österreich anerkannten Psychotherapie-Methoden. Die Gebiets-Krankenkasse zahlt 21, 60 Euro pro Stunde, im Durchschnitt verlangen die Therapeuten bis zu 80 Euro pro Stunde.

Leider sind die meisten Sachwalter und Sachwalterinnen nicht bereit, diesen Betrag trotz hohen Girokonto-Guthaben der Mündel für das Mündel zu bezahlen, da sie um ihre Pfründe insbesondere aber um eine Reduzierung ihres Honorars, das sich aus dem Mündelvermögen errechnet, fürchten.

In Österreich anerkannte Psychotherapie-Methoden (Quelle: www.psychotherapiepraxis.at) 

Wenn Sie sich bei einem(r) Psychotherapeuten(in) in Therapie begeben, der/die einer der folgenden Methoden angehört und darüber hinaus (wichtig!) auch in der beim Gesundheitsministerium geführten Therapeutenliste steht, erhalten Sie von der Krankenkasse einen Teil Ihrer Kosten ersetzt - diese sind in Österreich vom Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen anerkannt:

SYSTEMISCHE FAMILIENTHERAPIE

Im Zentrum steht die Annahme, daß psychische Störungen nicht zusammenhanglos in Einzelpersonen, sondern in Systemen "verankert" sind, wie etwa Partnerschaften, Familien oder anderen Gemeinschaften - und daß diese auch zur Lösung genutzt werden können. Besondere Bedeutung erlangten u.a. die diversen kurzzeittherapeutischen Ansätze der SFT.

PERSONZENTRIERTE GESPRÄCHSTHERAPIE

Sie gleicht der unten beschriebenen klientenzentrierten Psychotherapie, die persönliche Begegnung zwischen Klient und Psychotherapeut wird jedoch stärker betont.

KLIENTENZENTRIERTE GESPRÄCHSTHERAPIE

Diese auch als Gesprächstherapie nach Carl Rogers bekannte Methode geht davon aus, dass jeder Mensch ein Potential zur Selbstverwirklichung hat. Die Therapie soll die Spaltung zwischen aktueller Erfahrung und Selbstkonzept aufheben.

INTEGRATIVE GESTALTTHERAPIE UND GESTALTTHEORETISCHE PSYCHOTHERAPIE

Die Gestalttherapie kombiniert Einflüsse aus der Gestaltpsychologie, der Psychoanalyse und der Körpertherapie. Zentrale Elemente sind das unmittelbare Erleben von Gefühlen und Erfahrungen und das Handeln - im Gegensatz zum bloßen Erzählen von Problemen. Sie geht auf Fritz PERLS zurück. 

PSYCHOANALYSE UND GRUPPENPSYCHOANALYSE

Sigmund Freud unterteilte das psychische Erleben in Unbewußtes, Vorbewußtes und Bewußtsein. Die Behandlung soll Einschränkungen im Erleben des Patienten durch das Bewußtmachen von Unbewußtem beheben. 

TRANSAKTIONSANALYTISCHE PSYCHOTHERAPIE (TRANSAKTIONSANALYSE)

Die von Eric Berne entwickelte Konzeption der sog. "Ich-Zustände" (Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kindheits-Ich) baut auf dem Ich-Konzept der Psychoanalyse Freuds auf und bildet gemeinsam mit der Idee der "4 Lebensansschauungen" ("Ich bin OK, du bist..") die Grundlage einer Transaktionsanalyse.

VERHALTENSTHERAPIE

Sie entstand in den 50er-Jahren aus dem lerntheoretischen Konzept, dass erlerntes Verhalten auch wieder verlernt werden kann. Ein wichtiger Begriff ist die "Verstärkung", also die Belohnung erwünschter Verhaltensweisen.

ANALYTISCHE PSYCHOLOGIE

In C.G. Jung's Analytischer Psychologie wird verglichen mit der Psychoanalyse der Individuationsprozeß besonders betont, die psychische Entfaltung durch Begegnung mit Archetypen und dem Selbst.

INDIVIDUALPSYCHOLOGIE

Die durch Alfred Adler begründete Individualpsychologie erklärte im Gegensatz zu Freud seelische Störungen (Psychoneurosen) nicht aus den Reaktionen auf verdrängte sexuelle Komplexe, sondern aus sog. Minderwertigkeitskomplexen bzw. übersteigertem Geltungstrieb infolge missglückter Anpassung an die Gemeinschaft.

KATATHYM-IMAGINATIVE PSYCHOTHERAPIE (KIP BZW. KATATHYMES BILDERLEBEN)

Der Patient wird in einem vertieften Entspannungszustand zum Tagträumen angeregt. Frühkindliche Erfahrungen sollen wiedererlebt und aktuelle Probleme durch imaginatives Erleben gelöst werden.

DYNAMISCHE GRUPPENPSYCHOTHERAPIE

Ziel ist die Verbesserung individueller Probleme durch die Erfahrung von Abgrenzung und Rollenbildung in der Gruppe. Der Gruppenleiter greift nur ein, wenn er involviert wird.

PSYCHODRAMA

Mithilfe der von Moreno entwickelten triadischen Aktionsmethode Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie soll der Patient seine Beziehungen und Interaktionen kreativ und spontan gestalten lernen.

EXISTENZANALYSE (LOGOTHERAPIE)

Im Rahmen der Behandlung soll u.a. die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung mobilisiert werden, Therapieziel ist das Auffinden konkreter Sinnmöglichkeiten in konkreten Lebenssituationen.

DASEINSANALYSE

Sie baut auf der Heidegger´schen Daseinsanalytik und der Psychoanalyse Freuds auf. Meist in derem klassischen Couchsetting fokussiert sie im verbalen Kommunikationsprozess die lebensgeschichtlichen Motivations- und Problemzusammenhänge und versucht neue Möglichkeiten durch den Blick auf vorhandene Ressourcen zu erhellen.

HYPNOTHERAPIE (HYPNOSE)

In einem Trancezustand sollen unbewusste Selbstheilungskräfte aktiviert werden - allerdings ohne den oft in Shows suggerierten "Willensverlust". 

AUTOGENES TRAINING

Der Begriff "autogen" (wörtlich "aus sich heraus entstehend") beschreibt, daß dabei die Förderung der inneren Entwicklung durch die Stärkung der seelischen und körperlichen Selbstheilungskräfte angestrebt wird. Mittels spezieller Übungen (unterschieden in Grund-, Mittel- und Oberstufe) wird ein Entspannungszustand erreicht, in dem bisher unbekannte, verborgene Anteile der Persönlichkeit entdeckt und entfaltet werden können sollen.

KONZENTRATIVE BEWEGUNGSTHERAPIE

Über bewusste Körperwahrnehmung im "Hier und Jetzt" werden gesunde Anteile und Störungen erlebbar, in ihrer Bedeutung verstehbar und damit der psychotherapeutischen Bearbeitung (z.B. über den Körperdialog, taktile Erfahrungen etc.) zugänglich.

Quelle: www.psychotherapiepraxis.at 



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