Donnerstag, 13. April 2023

Entmündigung in Österreich einst und jetzt: der Fall Girardi u.a.

Zur Abwechslung wieder etwas Historisches zum Thema Sachwalterschaft/ Entmündigung auf Österreichisch: Mehr als 120 Jahre bevor die Welt von der LEX Rosy (OLG Wien-Bescheid 2014) erfuhr, gab es also die Lex Girardi: Kaiser Franz J. verfügte mittels kaiserlicher Verordnung eine Neuregelung des Entmündigungsverfahrens, die als Lex Girardi JUSTIZGESCHICHTE schrieb. Seit damals ist ein Gerichtsbeschluss nötig, ehe ein Person zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingeliefert werden kann bzw. entmündigt werden kann. Als Auftragsgutachter verwendete sich damals in Habsburgs Diensten Prof. Julius Wagner-Jauregg, der auch das AKTENGUTACHTEN für Luise von Belgien (Schwägerin von Kronprinz Rudolf) schrieb. Diese konnte aber aus der Anstalt in Dresden mit Hilfe ihres kroatischen Geliebten fliehen (wofür ich sie bis heute bewundere)! Aber irgendwie war der Kaiser Franz Joseph fortschrittlich - bzw. seine Juristen!!! Bis heute werden in Österreich Menschen mittels Aktengutachten entmündigt. O Felix Austria!



Unermüdlich schreibt Mag. Schütz über Missbrauch von Entmündigung in Österreich: Anfragen zum Aschermittwoch bzw. Karfreitagsberichte über seine Anfragen an die Ministerien: Seit Jahren bekommt er die gleichen Antworten von denselben Beamten:"Wir sind nicht zuständig" Dennoch finde ich die Dokumentation äußerst wertvoll: Kann man die österr. Verwaltung auch "Fake-verwaltung" nennen, wo BeamtInnen ein ruhige Kugel schieben? Ich persönlich habe keinen Presseausweis, ich könnte im Namen meiner Initiative Anfragen stellen, aber es ist mir einfach leid um die Zeit, weil ich die vorgefertigten Nicht-Antworten ohnehin schon kenne. Niemand ist zuständig - und die Justiz und die GutachterInnen sind ach so unabhängig.



https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Girardi

Auf Alexander Girardi geht auch die Neurologie-Reform unter Kaiser Franz Joseph zurück. Seine Frau Helene Odilon wollte ihn entmündigen lassen und der Arzt Josef Hoffmann (Arzt des Theaters an der Wien) stellte auf ihr Betreiben ein Attest aus, in dem er Girardi für geisteskrank erklärte. Im letzten Moment erfuhr Girardi von dieser Aktion und floh zu Katharina Schratt. Auf ihr Betreiben und das Einschalten des Burgtheaterarztes Staniek und des Gerichtspsychiaters Hinterstoißer wurde Girardi für „geistesgesund“ erklärt.[2] Nach einer anderen Darstellung dieses Ereignisses wurde Girardi vom berühmten Psychiater Julius Wagner-Jauregg kurzfristig ohne Untersuchung in die Grazer Nervenheilanstalt eingewiesen. Girardis Ehefrau Helene hatte vor, den Schauspieler entmündigen zu lassen, und nutzte dazu ihre Kontakte zu Wagner-Jauregg. Der Schauspielerin Katharina Schratt, bekanntermaßen die „Freundin“ des Kaisers, gelang es durch ihre gesellschaftlichen Verbindungen, Girardi wieder aus der Heilanstalt herauszuholen

Ende Zitat 


Helene Odilon wurde als Helene Petermann in Dresden geboren. Ihr Vater C. A. Petermann handelte mit Weißware und hatte zwei ältere Söhne.[1] Helene Odilon begann ihre Laufbahn in Chemnitz, wurde auf Wunsch Kaiser Wilhelms I. ans Hoftheater Berlin verpflichtet und ging 1891 nach Wien. Sie galt als eine der interessantesten Schauspielerinnen ihrer Zeit und wurde auch in England und 1902 selbst in den USA gefeiert. Am Deutschen Volkstheater in Wien, dem sie über 13 Jahre hinweg angehörte, spielte sie Madame Dubarry (in Du Barry von David Belasco)[2] und die Madame Sans-Gêne (in dem gleichnamigen Stück von Victorien Sardou), die von manchen als ihre Glanzrolle angesehen wurde. Hermann Bahr (1863–1934) wurde von ihr zur Rolle der Lona Ladinser in seinem Dreiakter Der Star (1898) inspiriert, der in der Folgezeit zu einem ihrer größten Erfolge wurde.


1893 schloss sie eine unglückliche Ehe mit dem Schauspieler Alexander Girardi (1850–1918). Helene hatte etliche Liebhaber, und Girardi war eifersüchtig. Sie versuchte, ihn entmündigen zu lassen, und ließ ihn mithilfe eines Gefälligkeitsgutachtens des mit ihr befreundeten Psychiaters Julius Wagner-Jauregg (1857–1940) in eine Nervenanstalt abschieben; mit Unterstützung von Katharina Schratt (1853–1940) wurde Girardi jedoch rehabilitiert. Helene ließ sich 1896 von ihm scheiden. Ihre zweite Ehe schloss sie mit dem ungarischen Gutsbesitzer Franz von Rakovszky (ca. 1877–1907). Nach dessen Tod heiratete sie den Apotheker Bela von Pecic 

https://vertretungsnetz.at/fileadmin/user_upload/6_Bewohnervertretung/Vom_Narrenturm_zum_Heimaufenthaltsgesetz_Jaquemar_Kinzl_2005.pdf



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