Donnerstag, 5. Dezember 2013

Die entmündigte Republik?

Die Entmündigte Republik

1919 – Le Reste c´est l´Autriche

Manchmal denkt man sich: Vielleicht ist es gar kein Zufall, dass es gerade in Österreich so viele Entmündigungen, vor allem Massenentmündigungen in Pflegeheimen, aber auch Entmündigungen aus politischen Gründen gibt.

Dabei denkt man ganz unwillkürlich an den unglückseligen Priester und Bundeskanzler der 1. Republik Ignaz Seipel.

George Clemenceau (Bild) höhnte Österreich als den "Rest, der übrig bleibt", ("L'Autriche, c'est qui reste"), und die politischen Führer nannten es "Deutsch-Österreich" und wollten eine Provinz der Deutschen Republik daraus machen. 

Nur der Friedensvertrag von St. Germain hinderte die "Staatsgründer wider Willen" (Karl Renner) daran. Die an der Macht befindlichen Parteien - links oder Rechts - wollten jedoch trotz aller Gegensätze weiterhin den "Anschluß" und glaubten nicht an die Lebensfähigkeit des klein geworden en Österreich. Vehementester Gegner dieser Politik war Kaiser Karl, der am 11. November 1918 zwar nicht auf seinen Thron, aber auf die Beteiligung an den Regierungsgeschäften verzichtet hatte. Der 12. November 1918 gilt daher als Gründungstag der Republik Österreich. (Quelle:Maximiliana Wien)

Nachdem in den Verträgen von St. Germain und Versailles aus der Habsburger-Monarchie ein kleiner Rest als Republik Deutsch-Österreich bestimmt wurde („der Rest ist Österreich“) musste Prälat Seipel in Genf (Genfer Protokolle) die letzten Kastanien aus dem Feuer holen.


Prälat Ignaz Seipel, Bundeskanzler der 1. Republik Österreich 
In Österreich herrschte unvorstellbare Armut, die ein britischer Gesandter auf einer Zugreise durch Österreich nach dem 1. Weltkrieg anschaulich beschrieb. Viele Kinder starben an der Spanischen Grippe, darunter ein Enkel von Sigmund Freud. 

Österreich wurde also bereits durch die Verträge nach dem 1. Weltkrieg entmündigt.
Die Siegermächte (Alliierte) bestimmten die Grenzziehung. Die Regierenden waren, wie dann auch 1945, nur Hampelmänner der Siegermächte des 1. Weltkriegs:

  1. USA
  2. Großbritannien
  3. Russland
  4. Frankreich
Im Hintergrund wurde dann aber schon der 2. Weltkrieg geplant durch geförderte Massenarbeitslosigkeit und den geplanten Aufstieg eines Diktators aus Braunau am Inn. Bereits Anfang der 1930-er Jahre zahlten die USA an Deutschland Millionen an Dollars für die Vorbereitung des 2. Weltkriegs. Das ist ein ebenso trauriges Faktum.

Die armen ausgehungerten und "ausgesteuerten" Menschen wussten nicht, dass ihnen bald ein noch schrecklicherer Krieg drohte und dass sie in Massen instrumentalisiert werden sollten.

1938 wurde die Republik Deutsch-Österreich mit den berühmten Worten des Kanzlers Schuschnigg an Nazi-Deutschland „angeschlossen“: "Gott schütze Österreich"

Kurt Schuschnigg, 1936

1945 – Wiedererrichtung der Republik unter Kuratel der Besatzungsmächte

Viele Erzählungen von Verwandten, Bekannten und Freunden gibt es aus diesen letzten Kriegsmonaten. Da musste eine Mutter in Marburg (heute Maribor, Slowenien) unter Bombenhagel alleine im Februar 1945 ihr Kind auf die Welt bringen und ging mit dem Neugeborenen zu Fuß von Maribor ins nördliche Burgenland. Bauern schenkten ihr Milch. Der Vater war verschwunden.

Junge steirische Soldaten liefen in den Karawanken (heute slowenisch-kärntnerisches Grenzgebiet) zu den englischen Besatzungsmächten über.

Im Salzkammergut machten sich amerikanische Soldaten ein schönes Leben, in dem sie die Gasthäuser und Hotels an Attersee, Wolfgangsee, Mondsee etc. besetzten.

Die OststeirerInnen und BurgenländerInnen hatten weniger Glück, sie wurden von den einmarschierenden russischen Soldaten en masse vergewaltigt und teilweise ermordet.


Steiermark 1945: Umkämpft von fünf Besatzungsmächten 
Die Steiermark war über Wochen von fünf Besatzungsmächten unter Kuratel gestellt. Fürchterliche Szenen spielten sich ab. Deutsche und österreichische Soldaten wurden nach Russland bzw. ins heutige Ex-Jugoslawien in Gefangenschaft bzw. kommunistische Konzentrationslager verschleppt, wo sie teilweise eines grauenvollen Todes starben. Nur wenige kamen aus der Kriegsgefangenschaft zurück.


Graz, Mai 1945: Russisches Besatzungsgebiet 
In Graz etablierten sich nach vielen Kämpfen die Briten als Besatzungsmacht. Die Wiener Staatsoper war durch das Alliierten-Bombardement vom März 1945 völlig zerstört. Daher wurde die Grazer Oper ein Ausweichquartier für die übrig gebliebenen Gesangskünstler, Tonkünstler  und OpernsängerInnen. So mancher britischer Offizier „leistete“ sich eine Grazer Schönheit, deren Mann im Krieg gefallen, vermisst oder in Kriegsgefangenschaft verschwunden war.

Graz, 15. Juni 1947: Arbeitsbestätigung Hotel Kaiserkrone unterzeichnet vom britischen Besatzungsoffizier 
Die Trümmerfrauen, Trümmerkinder und Trümmermenschen

10 Jahre war Österreich unter Besatzung, quasi unter Kuratel: Von Mai 1945 bis Herbst 1955. Die Jungen Menschen, die heute in Österreich leben, können sich kaum vorstellen, was für Entbehrungen die Kriegs- und Nachkriegskinder auf sich nehmen mussten. Manche Stadtkinder waren bei Bauern in Oberösterreich oder Niederösterreich untergebracht.

Wien 1945 bis 1955: Unter vierfacher Kuratel

Während also Österreich („die zweite Republik“) VIER SACHWALTER erhielt (Sowjet-Union, Usa, Frankreich, Großbritannien, wurde Wien ebenfalls in vier besachwaltete Zonen aufgeteilt!

Die Russen errichteten in der k&k Kurstadt Baden bei Wien ihr Hauptquartier. Das waren oft primitive Soldaten aus einfachsten Verhältnissen aus der russischen Steppe, die noch nie ein Water Closet gesehen hatten. Deswegen sagt man noch heute im Bezirk Baden: „Das machen wir jetzt auf russisch“.

Die Kriegsgeneration: mehrfach entmündigt

Neben Geschichtsfälschung muss also die Kriegs- und Nachkriegsgeneration heute auch noch unter der Massen-Entmündigung in den Pflege- und Altersheimen leiden.
Da wurde in Wien  z.b. eine alte Jüdin entmündigt und in ein Heim transferiert, die sich auch schon in der Nazi-Zeit verstecken musste.

Es ist eigentlich besonders traurig, dass gerade jene Menschen, die unter großen Entbehrungen diese zweite Republik aufbauen mussten (unter Kuratel von vier Besatzungsmächten von 1945 bis 1955) auch heute wieder ihren Lebensabend entmündigt, enteignet und bestohlen durch Massen-Entmündigungsgesetze (seit dem Budgetbegleitgesetz von 2009, wo der Bevölkerung eingeredet wurde, dass es Sparmaßnahmen nötig machen, dass Rechtsanwaltskanzleien via Nationalratsgesetzgebung  Tausende von Mündel enteignen, entrechten, bestehlen und entmündigen dürfen) verbringen müssen.

Gerade jene, die diese 2. Republik heldenhaft wieder aufgebaut haben.
Manchmal ist das Leben für ganze Generationen einfach sehr, sehr ungerecht.
Das ist sehr traurig.
Und unsere Politiker spielen mit oder müssen mitspielen. Es scheint fast so, als würden gewisse Besatzungsmächte Österreich noch immer als ihr Eigentum betrachten.

Ist Österreich also noch immer unter KURATEL?







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